Was bedeuten Kugellager-Bezeichnungen?
Wenn du schon einmal ein Ersatzlager bestellt hast, bist du vermutlich über Codes wie „6206-C-ZZ“ gestolpert. Für Einsteiger wirkt das wie eine Geheimsprache. Selbst erfahrene Instandhalter müssen manchmal zweimal hinschauen.
Das Problem: Ein falsch gewähltes Kugellager kann Motoren, Maschinen oder Kompressoren beschädigen, unnötige Stillstände verursachen oder die Lebensdauer drastisch verkürzen. Genau deshalb gibt es internationale Normen wie DIN und ISO. Sie sorgen dafür, dass Lager weltweit vergleichbar sind – egal ob von SKF, FAG oder NSK.
In diesem Artikel übersetzen wir die wichtigsten Codes in klares Deutsch. Danach kannst du Lagerbezeichnungen in Sekunden lesen und sicher auswählen.
Grundlagen: Aufbau der Kugellager-Bezeichnung
Eine typische Lagerbezeichnung besteht aus zwei Teilen:
👉 Grundbezeichnung – z.B. 6206
👉 Zusatzkennzeichen – z.B. C, ZZ, C3
Die Grundnummer beschreibt Bauart und Größe. Zusatzzeichen liefern Details wie Dichtung, Lagerluft oder Sonderausführungen.
Kurz zu den Normen:
- DIN 625 regelt Rillenkugellager in Deutschland
- ISO-Normen sorgen für internationale Einheitlichkeit
Du musst kein Normexperte sein. Wichtig ist nur:
👉 Wenn die Grundnummer gleich ist, sind die Hauptabmessungen identisch.
Typische Informationen in Lagercodes:
- Baureihe → Bauform und Belastbarkeit
- Bohrungskennziffer → Innendurchmesser
- Lagerluft → Spiel im Lager
- Dichtungsart → Schutz vor Schmutz
Schon dieses Basiswissen verhindert viele Fehlkäufe.
Die Grundnummer „6206“ im Detail
Schauen wir uns einen der häufigsten Codes an.
6206 lässt sich einfach zerlegen:
- 62 = Rillenkugellager der mittleren Reihe
- 06 = 30 mm Bohrungsdurchmesser
Typische Maße:
30 × 62 × 16 mm (Innen × Außen × Breite)
Wo wird dieses Lager eingesetzt?
- Elektromotoren
- Lüfter
- Pumpen
- Kompressoren
- Fördertechnik
Warum ist die 62er-Reihe so verbreitet?
Sie bietet einen starken Mix aus Tragfähigkeit, Drehzahlfestigkeit und Preis.
Für viele Motoranwendungen ist sie schlicht der Industriestandard.
Zusatzkennzeichen am Beispiel „C“
Jetzt wird es etwas kniffliger.
Ein einzelnes „C“ wirkt harmlos – ist aber oft nicht genormt.
Wichtige Unterschiede:
- C2 / C3 / C4 → definierte Lagerluftklassen
- C allein → häufig herstellerspezifisch
Das kann bedeuten:
- geänderte Innengeometrie
- spezielle Laufbahnen
- optimierte Geräuschwerte
👉 Merke: Wenn nur „C“ steht, immer ins Datenblatt schauen.
Sonst bestellst du möglicherweise eine Variante, die nicht zur Anwendung passt.
Dichtungen und Abdeckungen: Was bedeutet „ZZ“?
Die Kennzeichnung Z oder ZZ (2Z) steht für Metall-Deckscheiben.
Eigenschaften:
✅ lebensdauergeschmiert
✅ wartungsarm
✅ Schutz gegen Staub
✅ geringe Reibung
Abgrenzung:
| Kennzeichen | Bedeutung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| offen | keine Abdeckung | mit externer Schmierung |
| ZZ / 2Z | Metall | hohe Drehzahlen |
| 2RS | Gummidichtung | Feuchtigkeit, Schmutz |
Metall vs. Gummi – kurz bewertet:
ZZ Vorteile:
- höhere Drehzahlen möglich
- weniger Wärme
- energieeffizient
ZZ Nachteile:
- nicht komplett dicht
- bei viel Wasser ungeeignet
Für viele Elektromotoren ist ZZ eine sehr gute Wahl.
Lagerluft und Toleranzen (C3, CN usw.)
Die radiale Lagerluft beschreibt das innere Spiel zwischen Kugeln und Laufbahn.
Warum ist das wichtig?
Beim Betrieb entsteht Wärme. Metall dehnt sich aus. Ohne ausreichend Spiel kann das Lager verspannen.
Die wichtigsten Klassen:
- CN → normale Lagerluft
- C3 → erhöhte Lagerluft
Wann solltest du C3 wählen?
Bei:
- Presspassungen
- höheren Temperaturen
- hohen Drehzahlen
Deshalb findest du in vielen Motoren:
Rillenkugellager mit C3
Das reduziert das Risiko von:
- Überhitzung
- Laufgeräuschen
- frühzeitigem Ausfall
Praxisbeispiel: „6206-C-ZZ“ Schritt für Schritt erklärt
Zerlegen wir den Code:
6206 = Rillenkugellager, 30 mm Bohrung
C = herstellerspezifisches Merkmal → prüfen!
ZZ = Metall-Deckscheiben beidseitig
Varianten im Überblick
| Lager | Eigenschaften | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 6206 offen | maximale Drehzahl | Öl- oder Fettschmierung vorhanden |
| 6206-ZZ | wartungsarm | Standardmotoren |
| 6206-2RS | dicht | staubige oder feuchte Umgebung |
| 6206-ZZ-C3 | mehr Spiel + Schutz | stark belastete Motoren |
👉 Praxis-Tipp:
Wenn du ein Lager ersetzt, immer die komplette Bezeichnung übernehmen – nicht nur die Grundnummer.
Auswahlkriterien: Welches Kugellager ist das richtige Motorlager?
Bevor du bestellst, prüfe diese Faktoren:
1. Drehzahl
Hohe Drehzahl → eher Metallabdeckung.
2. Temperatur
Hitze → oft C3 sinnvoll.
3. Belastung
Mehr Last → passende Baureihe wählen.
4. Umgebung
Staub oder Wasser → besser 2RS.
Kurze Entscheidungshilfe
ZZ wählen, wenn:
- sauberer Betrieb
- hohe Drehzahlen
- geringe Wartung gewünscht
2RS wählen, wenn:
- Schmutz droht
- Feuchtigkeit vorhanden ist
Offen wählen, wenn:
- zentrale Schmierung existiert
Einbau nicht vergessen:
- richtige Passung
- sauber arbeiten
- nicht über den Innenring einschlagen
- korrekt schmieren
Das entscheidet oft mehr über die Lebensdauer als das Lager selbst.
Häufige Fehler bei der Lagerbestellung
Diese Klassiker kosten Unternehmen jedes Jahr viel Geld:
❌ Nur „6206“ bestellen
❌ Lagerluft ignorieren
❌ Herstellercodes verwechseln
❌ falsche Dichtung wählen
Typische Folgen:
- Überhitzte Motoren
- starke Geräusche
- ungeplante Stillstände
Faustregel: Eine zusätzliche Minute beim Prüfen spart oft Stunden Stillstand.
FAQ – Kugellager-Bezeichnungen einfach erklärt
Was bedeutet 6206 bei Kugellagern?
6206 beschreibt Bauart und Größe: Rillenkugellager mit 30 mm Innendurchmesser.
Wofür steht ZZ bei Kugellagern?
ZZ bedeutet beidseitige Metallabdeckung. Das Lager ist gefettet und wartungsarm.
Was ist der Unterschied zwischen C und C3?
C3 ist eine genormte erhöhte Lagerluft. Ein einzelnes C ist meist herstellerspezifisch.
Welches Kugellager für Elektromotor mit 2800 U/min?
Oft werden Rillenkugellager mit C3 verwendet, da sie Wärme besser kompensieren.
Kann ich ein offenes Lager durch ein ZZ ersetzen?
Ja, wenn keine externe Schmierung nötig ist und die Umgebung sauber bleibt.
Warum fallen Motorlager frühzeitig aus?
Häufig wegen falscher Lagerluft, schlechter Montage oder ungeeigneter Dichtung.
Sind teurere Markenlager sinnvoll?
Bei kritischen Anwendungen fast immer – sie laufen ruhiger und halten länger.
Fazit: Schnell die richtige Lagerbezeichnung verstehen
Kugellagercodes sind keine Raketenwissenschaft.
Wenn du dir drei Dinge merkst, bist du bereits vor 80 % aller Fehler geschützt:
✅ Grundnummer = Bauart + Größe
✅ Zusatzkennzeichen bestimmen Performance
✅ Lagerluft und Dichtung entscheiden über Lebensdauer
Achte beim nächsten Kauf immer auf die vollständige Bezeichnung – nicht nur auf „6206“.



