Wer schon einmal in Druckluft gearbeitet hat – ob im Tunnelbau, bei Spezialgründungen oder im Maschinenbau-Umfeld – weiß:
Das ist kein normaler Arbeitsplatz. Hoher Druck, technische Abhängigkeiten, Gesundheitsrisiken. Genau hier greift die Verordnung über Arbeiten in Druckluft, kurz Druckluftverordnung.
Und ja – sie klingt trocken.
Aber in der Praxis entscheidet sie über Sicherheit, Projektlaufzeit und Haftung.
Was ist die Druckluftverordnung – und warum ist sie so wichtig?
Die Druckluftverordnung (DruckLV) regelt alle Arbeiten, bei denen Menschen einem Überdruck von mehr als 0,1 bar ausgesetzt sind.
Ziel ist simpel:
Gesundheit schützen, Risiken minimieren und klare Verantwortlichkeiten schaffen.
Typische Einsatzbereiche:
- Tunnel- und Schachtbau
- Arbeiten in Druckluft-Arbeitskammern
- Spezialtiefbau
- Gründungsarbeiten unter Überdruck
Kurz gesagt:
Sobald Menschen nicht mehr unter normalem Atmosphärendruck arbeiten, ist die Druckluftverordnung relevant.
Wann gilt die Druckluftverordnung?
Die Verordnung gilt, wenn alle drei Punkte zutreffen:
- Arbeiten unter Überdruck (über 0,1 bar)
- Gewerbliche Tätigkeiten
- Beschäftigte Personen (Angestellte oder Selbstständige mit Personal)
Nicht betroffen sind z. B.:
- klassische Taucharbeiten (dafür gelten andere Regelwerke)
- reine Drucklufttechnik ohne Personeneinsatz
Wer trägt die Verantwortung?
Ganz klar: der Arbeitgeber bzw. Unternehmer.
Er ist verantwortlich für:
- Gefährdungsbeurteilung
- Organisation der Arbeiten
- Auswahl geeigneter Druckluftanlagen
- medizinische Vorsorge
- Unterweisung und Qualifikation
- lückenlose Dokumentation
Wichtig:
Auch wenn Aufgaben delegiert werden – die Verantwortung bleibt oben.
Die häufigsten Anwenderfragen zur Druckluftverordnung (FAQ)
Ab welchem Druck greift die Druckluftverordnung?
Sobald Beschäftigte mehr als 0,1 bar Überdruck ausgesetzt sind.
Brauche ich eine Genehmigung?
Ja.
Arbeiten in Druckluft müssen behördlich angezeigt bzw. genehmigt werden. Ohne Freigabe drohen Baustopp und Bußgelder.
Welche Qualifikation müssen Mitarbeiter haben?
- medizinische Tauglichkeit
- spezielle Unterweisung
- für bestimmte Rollen: Befähigungsschein (z. B. Schleusenwärter)
Welche medizinischen Untersuchungen sind Pflicht?
Regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorge, u. a.:
- Herz-Kreislauf-Check
- Lungenfunktion
- Belastbarkeit unter Druck
Ohne gültige Untersuchung: kein Einsatz.
Wie oft müssen Anlagen geprüft werden?
- vor Inbetriebnahme
- regelmäßig wiederkehrend
- nach Umbauten oder Reparaturen
Dazu zählen:
- Druckkammern
- Schleusen
- Kompressoren
- Mess- und Überwachungstechnik
Technische Anforderungen: Das verlangt die Druckluftverordnung
Hier trennt sich oft Theorie von Praxis.
Anforderungen an Druckluftanlagen
- stabile Druckhaltung
- Redundanz (Ausfallsicherheit)
- präzise Druckmessung
- Alarm- und Überwachungssysteme
Atemluftqualität – ein kritischer Punkt
Die Luft muss:
- öl- und schadstofffrei
- gefiltert
- kontinuierlich überwacht sein
⚠️ Minderwertige Atemluft ist einer der häufigsten Mängel bei Kontrollen.
Gesundheitsschutz: Warum Ausschleusen lebenswichtig ist
Der größte Risikofaktor ist die Dekompression.
Zu schnelles Ausschleusen kann zu:
- Drucklufterkrankungen
- Gelenkschmerzen
- neurologischen Schäden
führen.
Deshalb regelt die Druckluftverordnung:
- Druckstufen
- Zeitvorgaben
- Sauerstoff-Ausschleusung
- Notfallmaßnahmen
Hier gibt es keinen Spielraum.
Praxisleitfaden: So setzt du die Druckluftverordnung richtig um
Bewährte Reihenfolge aus der Praxis:
- Projektanalyse & Druckbereiche definieren
- Gefährdungsbeurteilung erstellen
- Geeignete Druckluft-Kompressoren auswählen
- Genehmigungen einholen
- Personal schulen & medizinisch prüfen
- Anlagen prüfen & dokumentieren
- Betrieb starten – mit Monitoring
Tipp:
Plane Dokumentation von Anfang an digital, sonst frisst sie dir später Zeit.
Die Rolle moderner Druckluft-Kompressoren
Moderne Kompressoren sind heute mehr als Luftlieferanten:
- konstante Druckstabilität
- integrierte Sensorik
- digitale Überwachung
- Wartungsprotokolle auf Knopfdruck
Ergebnis:
- höhere Sicherheit
- weniger Stillstand
- rechtssichere Nachweise bei Kontrollen
Was passiert bei Verstößen?
Kurz und ehrlich:
- Baustopp
- Bußgelder
- persönliche Haftung
- im Ernstfall: strafrechtliche Folgen
Und das Teuerste:
Projektverzögerungen und Vertrauensverlust
Fazit: Druckluftverordnung = Sicherheit + Wirtschaftlichkeit
Die Verordnung über Arbeiten in Druckluft ist kein Bürokratiemonster.
Sie ist ein Schutzschild – für Menschen, Projekte und Unternehmen.
Wer sie:
- versteht
- sauber umsetzt
- technisch richtig plant
arbeitet sicherer, schneller und wirtschaftlicher.
Mein Rat aus der Praxis:
Spare nie an Druckluftqualität, Planung und Dokumentation. Das zahlt sich immer aus.


